Sie zeigen mir, wie es geht. Freuen sich jeden Morgen auf den neuen Tag, darauf mich zu sehen, auf ihr Futter. Meine Meerschweinchen saßen gestern eifrig Heu mümmelnd neben mir, als ich verzweifelt versuchte, mein eigentlich erlaubtes Abendessen auszukotzen.
So, als wollten sie mir zeigen `Schau, du musst essen. Es ist nicht schwer, wir wollen dich nicht verlieren. Wir helfen Dir!`
Mein Männchen kam sogar auf mich zugelaufen, lief mir über die nackten Füße und knabberte diese an. Und ich kotze gnadenlos weiter. Einfach ekelhaft.
Dabei war es gestern wieder soweit. Ich war motivierter als sonst, endlich, zumindest für einen Tag den Kampf aufzunehmen. Für meine Tiere.
Bis Abends nichts. Danach habe ich meine Kaloriengrenze nach oben erhöht und mir erlaubt, worauf ich Lust hatte. Ja, ich muss mir Essen erlauben.
Alles lief aus dem Ruder, aber ich habe es akzeptiert. Versucht. Gekämpft. Und dann kam ein Satz, der alles wieder ins Wanken brachte und da ich nicht zu 100% hinter meinem Versuch stand, war klar, was folgte.
Wenn ich in den Spiegel gucke, ekelt es mich. Nicht wegen dem Fett. Ich betrachte meinen Körper aus eingefallenen Augen, umrahmt von dunklen Schatten. Gehe ich mir mit der Hand durch die Haare, halte ich die Hälfte dieser in der Hand und nicht mehr auf dem Kopf. Meine Fingerknochen und Knöchel sind seltsameklig angeschwollen. Narben auf Armen, Beinen, Händen. Geschwollene Beine. Und gedanklich mindestens 10kg schwerer, als wie die Wirklichkeit im Spiegel.
Und dennoch kann ich nicht aufhören. Nicht für meine Tiere und schon gar nicht für mich. Jahrelang habe ich bewusst oder unbewusst nach dem besten Weg der Selbstzerstörung gesucht. Ich scheine ihn gefunden zu haben. Wieso also bin ich nicht einfach glücklich?
Gestern habe ich mich mit meiner besten Freundin getroffen. Sie ist ein wahnsinnig toller Mensch. Und sie versteht mich, denn ihr geht es ähnlich. Nicht genauso, aber ähnlich. Wir waren zusammen in Lebensmittelläden, wie wir es jedes Mal machen, wenn wir uns sehen.
Wir sehen keine Lebensmittel, wir sehen Kalorien, Fett. Und wir reden darüber, so als würde man in einem Buchladen stehen und sich darüber unterhalten, welches Buch das interessanteste, spannenste oder nicht lesenswerteste ist.
Danach folgt der Cafebesuch. Nein, man sieht uns niemals Kuchen essen, warmen, duftenden Kakao dazu trinken. Wir klammern uns verzweifelt an unsere ColaLight, betrachten angeekelt die Kuchen in der Auslage und wissen beide, wie gern wir diese einfach genießen und essen würden.
Jeder, der sich öffentlich traut, solch ein Teufelswerk aus Zucker und Fett zu sich zu nehmen, wird mit verurteilendem Blick gemustert und auf sein Gewicht reduziert. Wir wissen beide, wie gern wir diese Person wären, die sich ohne Scham ein Stück Kuchen in der Öffentlichkeit gönnen kann.
Dennoch, unser Treffen war wundervoll.
19:26
ICH DARF NICHT. ICH DARF NICHT! ICH WILL! ICH DARF NICHT!
Ich werde verrückt. Heute Morgen schon soviel gegessen und es drin gelassen. Jetzt wieder soviel gegessen, viel zu viel, aber ich darf nicht und will nicht. Ich will doch, ich weiß es nicht mehr, ich will nicht mehr.
Danke für die zahlreichen lieben und aufbauenden Kommentare! Bitte seid nicht böse, wenn ich nicht auf alle Kommentare direkt antworte. Ich lese sie und freue mich über jede einzelne liebe Nachricht von euch!
19:34
Es tut mir Leid. Es geht nicht. Es muss raus.

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AntwortenLöschenLiebe Konsumentin des süßen Geschmacks,
ich danke dir für dein Interesse an meiner
Schokoladenseite und die lieben Worte, die
du dort für mich hinterlassen hast.
Eine ganz besondere Freude ist es für mich,
dass dir mein aktueller Blogeintrag einen
Kommentar wert war und du mit diesem aus
den hinteren Reihen meiner stillen Mitesser
hervorgetreten bist. Schön, dich auf diese
Weise kennenzulernen!
Vielleicht magst du mir demnächst öfter mal
nach dem Probieren einer meiner für dich auf-
getischten Süßigkeiten sagen, wie es dir ge-
schmeckt hat. Komm'einfach wieder zum Naschen
vorbei!
Süße Grüße von der bittersüßen
(Schokoladen)Seite des Lebens
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Danke für dein Kommentar, du sprichst mir aus der Seele, besonders mit der sinkenden Hemmschwelle.
AntwortenLöschenMein Freund war auch schon des öfteren nur 2 Zimmer weiter und ich fresse und kotze und von vorne...
Und glaub mir, deine Tierchen würden auch Fressen wenn du ihnen freie Fahrt zum Futter lassen würdest. ABER...ich glaube kaum, dass die es schaffen würde zu kotzen XD
Ich finde es bewundernswert, dass du es trotzdem inner wieder versuchst, ganz ehrlich und ich glaube daran, dass du es schaffst. Nicht heute und vielleicht auch nicht morgen aber du schaffst das.
AntwortenLöschenBitte gib nicht auf, auch wenn es so verdammt schwer ist.
Ich denk an dich.
Ich habe bloß ein bisschen bei dir gestöbert. Das mache ich immer, wenn ich mal wieder zurück bin... Ich habe das von deinem Traum der Berghütte gelesen und genau die selbe Ansicht. Für mich ist es ein ländliches Haus in den Niederlanden. Ich will unbedingt Hühner haben und Gemüse pflanzen. An so einem Ort kann man einfach nicht unglücklich sein.
AntwortenLöschenVielleicht werden wir uns irgendwann diesen Traum erfüllen und vielleicht wird es funktionieren. ?
Liebste Grüße, henrietty