Ich bin alt geworden, älter. Es war damals ein wildes Jahr, es passierte sehr viel Schlechtes, aber man nahm es nicht wahr, weil man spätestens am Wochenende fernab der Realität schwebte. Erzwungene, überdrehte Freude, schon wahnhaften Charakters und ständiger Zufluss von Alkohol, damals eine gelungene Mischung, um sich mit nichts mehr beschäftigen zu müssen.
Damals waren meine Haare gefärbt, ähnlich wie heute. Ich habe mir Fotos aus dieser Zeit angeschaut, aber die Farbe meiner Haare bringt diese Zeit nicht zurück. Dafür ist die Erinnerung, die damals erfolgreich verdrängt wurde, mit doppelter Macht wieder zurückgekehrt und hat in meinem Kopf eine Festung um sich errichtet, damit ich sie ja niemals wieder vergesse.
Ich bin jemand anders geworden, aber da ich nicht weiß wer, versuchte ich mich zwanghaft an die Vergangenheit zu klammern. Ich kleide und benehme mich, wie ein pubertärer Teenager in der Findungsphase seiner Persönlichkeit. Meine habe ich damals leider nicht gefunden.
Angst vor morgen.
Besuch bei meiner `15-Minuten Therapeutin`, um ihr offen und ehrlich mitzuteilen, dass ich nicht mehr kommen werde. Endgültig.
Besuch bei meinen Großeltern samt meinem Vater. Sie werden sich das Maul zerreißen. Über meine Haare, über die Trennung. Eher über meine Haare. Das mit der Trennung, das dürfte ihnen passen. Sie mochten meinen Freund nicht, noch nie. Aber, wir sind doch eine perfekte Familie, in der solch eine Situation mit falscher Höflichkeit und Freundlichkeit gekonnt überspielt wird. Ab und zu ein abwertender Kommentar, aber was macht das schon.
In einer Familie, in der die Tochter eigentlich brav ihr Tiermedizinstudium absolviert und der Freund erfolgreich sein Studium abschließt, um später einen gut bezahlten Job zu erhalten. Das erste Enkelkind ist auch schon in Aussicht. Nebenher wird die Tierarztpraxis auf dem Land eröffnet und ordentlich Geld verdient. Um teure Kleidung zu kaufen, Autos und dem Rest der Menschheit zu zeigen `Seht her, ich bin perfekt. Ich bin etwas Besseres. Ich bin so unendlich perfekt, wie ihr es niemals sein werdet!`
Krankheit, Ängste, unästhetisches Aussehen, das gibt es nicht. Ich passe nicht mehr in das Bild. Die Enkelin und Tochter mit der Borderlinestörung. Passt nicht, nicht perfekt. Aber sie geht ja in eine Klinik, dort wird sie innerhalb weniger Wochen wieder gesund, um danach das fröhliche, perfekte Spiel weiterzuspielen. Mein Vater, mein Opa, sie sind weniger das Problem. Eher meine Oma.
Sehr überspitzt, dennoch Wahrheit
Eigentlich nicht meine Musikrichtung, aber ich glaube, das ist bei diesem Lied egal.
Für meine kleine Lilly, meinen Benno, für alle meine kleinen Engel.
Für meine kleine Lilly, meinen Benno, für alle meine kleinen Engel.
himmel, ja. die "perfekte" familie, in der alles so wunderbar vorgetäuscht wird. mir alles sehr bekannt... tut mir leid, dass ich immer nur sagen kann: ich kenne es :/ ich weiß, das ist keine echte hilfe... aber es ist schonmal gut, wenn du sehen kannst, was da falsch läuft.
AntwortenLöschenalles liebe dir.