Es erinnert mich so sehr an dieses geliebte Dachzimmer. An diesen Bauernhof, diese Wärme. Wie ich dort vor einer halben Ewigkeit stand, aufgestanden. Ich blickte hinaus, durch das einzige, kleine Dachfenster, sah genau dieses Bild in einer noch viel wunderschöneren Landschaft. Trotz tiefster Depression ging es mir einfach nur gut. Es regnete. Es roch nach diesem warmen Sommerregen, nur im Frühling. Frühlingsregen.
09:39
Ich weiß es nicht. Nicht mehr, was richtig oder falsch ist. Ich muss darauf vertrauen, dass mein Umfeld es weiß und nach diesem Wissen handelt. Aber vertrauen, auch so eine Sache, die nicht mehr funktioniert. Ich bereite es vor, sorgsam, denn es wird mein Moment werden. In dem ich nichts wissen muss, in dem ich einfach handele.
Da ist mein geliebtes, dunkelrotes Taschenmesser, das mir mein Vater vor so vielen Jahren schenkte und das mir seitdem immer wieder treue Dienste leistete. Ich liebe mein Taschenmesser. Weil es mir mein Vater schenkte, weil es schön ist, weil ich genau weiß, wie ich wann und wo am Besten schneiden kann.
Da ist meine Rasierklinge, schneidet anders. Abwechslung, damit es mir nicht langweilig wird. Außerdem situationsabhängig.
Ich freue mich wie ein kleines Kind, wenn ich in meine Tasche greife, das in Küchenrollenpapier eingewickelte Werkzeug heraushole, es ausbreite.
Ich trage es immer bei mir, sorgsam in Küchenrollenpapier eingewickelt. Man weiß nie, wo und wann man es benutzen möchte. Deshalb zur Sicherheit immer Küchenrollenpapier dabei.
Nochmal zum Anfang. Ich weiß nicht mehr, was richtig oder falsch ist. Deshalb muss ich darauf vertrauen, dass mein Umfeld es weiß und auch danach handelt. Gleiches mit Gleichem vergelten? Wie du mir, so ich dir? Ist das richtig? Für mein Umfeld anscheinend und ich kann es nicht einordnen. Ist es zuwenig Strafe, ist es zuviel Strafe? Ich halte es nicht aus, aber habe ich es nicht eigentlich verdient? Man sagt mir, ich hätte es verdient und es würde passieren, weil ich Gleiches (unbewusst und nicht absichtlich) tat, einfach, weil ich manchmal nicht mehr weiß, was ich tue.
Dann dürfte es mich nicht so fertig machen, bzw. dürfte und darf ich mich nicht darüber beschweren. Schon wieder zuviel Selbstmitleid?
Ich bin so müde, aber der Tag ist noch so lang.

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