Kurzer Nachtrag. Es hat nicht alles nur mein Freund gesagt. Meine Mutter, mein Vater, die Verwandtschaft meines Freundes, meine Freunde, seine Freunde, alle haben irgendwann hier oder da einen dieser Sätze fallen lassen.
Kurze Mitteilung. Falls einmal ein Kommentar von euch nicht veröffentlicht sein sollte, es liegt nicht an mir. Die Kommentarfunktion spinnt und veröffentlicht manchmal mit Verzögerung, oder gar nicht.
Längerer Eintrag. Es schmeckt nicht mehr. Gar nichts mehr. Es schmeckt eklig, gar nicht, langweilig oder einfach nach nichts. Luft. Entweder habe ich meine Geschmacksnerven kaputt gekotzt, oder es liegt an etwas anderem. Mit dem Fressen stimmt nämlich genausowenig etwas. Es macht nicht mehr glücklich. Die wenigen Sekunden des Glücks, wenn die süße oder deftige Nahrung die Zunge berührte, sie bleiben aus. Das Kotzen danach befriedigt auch nicht mehr. Mein Körper schreit und zickt, reißt die Mundwinkel ein, rebelliert mit Magenschmerzen, Kopfweh, Schwäche, Atemnot. Aber ich bekomme es nicht runter, weil es einfach nicht schmeckt. Und wenn es dann in mir ist, werde ich wütend. Weil es nicht geschmeckt hat und ich esse nichts, was mir nicht schmeckt. Das gab es früher zu Genüge.
Es wird gegessen, was auf den Tisch kommt. Der Teller muss leer sein, damit es am nächsten Tag schönes Wetter gibt. Schmeckt nicht, gibts nicht.
Ich bin erwachsen, diesen Mist brauche ich nicht mehr. Ich werde wütend und kotze es wieder aus, weil es nicht geschmeckt hat. Behalte ich es drin, straft mich mein Körper mit Magenkrämpfen, die sich anfühlen, als hätte ich 2 Dosen Glaubersalz hintereinander gekippt.
Aber was denn nun? Entscheide dich! Esse ich nicht, passt es dir nicht. Esse ich, passt es dir nicht. Ich glaube, ich habe tatsächlich das Essen verlernt. Genauso, wie mein Körper verlernt hat, damit umzugehen.
15:49
Befinde mich noch auf der Suche. Habe ihn noch nicht gefunden. Platz geschaffen, für neue Lebensmittel und deren Geschmack. Aber auch hier, nichts. Wird aber in mir bleiben. Keine Kraft mehr, um erneut Platz zu schaffen, für Lebensmittel und deren geschmacklosen Geschmack.
Ich glaube, ich hätte es nicht machen sollen. Aber ich merke, wie mein Körper Stück für Stück daran kaputt geht, weil ich nicht mehr vernünftig esse und ihn seit 4 Jahren mit Magersucht, Bulimie und Sportsuchtphasen quäle. Dann bricht diese Seite durch, die mir Mut zuspricht und mir sagt, versuche es. Du darfst normal essen, du musst normal essen. Es geht so nicht mehr.
Aber so geht es auch nicht. Mit dem Essen. Ich bin schon wieder so weit weg, gedanklich, körperlich. Zu tiefe Schnitte auf zu fetten Armen. Es ekelt mich, widert mich an, das Essen, mein Körper, meine Weiblichkeit. Alles ist kaputt, wieso ruiniere ich mir dann auch noch mein Gewicht. Mein Gewicht, das eigentlich das Unwichtigste überhaupt der ganzen Probleme ist.
Ich halte es nicht mehr aus. Alle reden sie auf mich ein, obwohl ich allein vor meinem Laptop sitze. Sie reden nicht nur von der Fresserei, sie reden davon, dass sie sich Sorgen machen. Auf einmal. Davon, wieso ich mich solang schon wieder nicht gemeldet habe. Sie reden von Socken, die noch nicht zusammengelegt sind. Davon, dass ich nicht den ganzen Tag verschlafen sollte. Weshalb ich nichts mit meinem Leben anfange, warum ich dies noch nicht erledigt habe, warum das noch nicht getan ist. Wo ich bin, wann ich Zeit habe, warum das noch herumliegt, wie ich dieses Problem lösen will, wer ich mir einbilde, zu sein. Sie reden und reden und reden. Endlosschleife.
16:31
Wenn man einmal anfängt, kann man nicht mehr aufhören zu schreiben. Seltsam, dass es funktioniert, solange ich für mich allein und nicht in Kommunikation mit anderen Mitmenschen stehe.
Was ich eigentlich sagen bzw. schreiben wollte, ich bin mir nicht sicher, ob man es schreiben darf. Andererseits, es ist mein Blog, meine Welt, mein Leben und ich darf und kann verfassen, wie es mir beliebt.
Ich will nicht mehr. Gar nicht mehr. Schon seit mein Freund Schluß machte, stand es fest. Schon Jahre vorher stand es fest. Es stand nicht fest, es steht fest. Ich will nicht mehr, denn ich habe den Glauben verloren. Als Kind, da verlor ich den Glauben an Gott. Als Jugendlicher, da verlor ich den Glauben an die Menscheit. Als Erwachsener verlor ich den Glauben an die Liebe, die Freundschaft und die Ehrlichkeit. Und schon vor langer Zeit verlor ich den Glauben an mich selbst. Fraglich, ob ich diesen Glauben jemals gehabt habe. Einzig und allein drei, nein, vier Lebewesen sind es, die es mir wert sind, es auszuhalten. Zumal ich nicht weiß, ob ich den Tod wirklich verdient habe.
Meine wunderbaren, drei kleinen Meerschweinchen. Niemand darf sie anfassen, niemand darf für sie sorgen. Niemand, es sind meine drei Heiligtümer. Niemand darf sie ohne meine Erlaubnis füttern, sehen oder mit ihnen reden. Niemand. Was würde mit ihnen passieren, wäre ich nicht mehr hier. Wo würden sie hinkommen, wie würden sie es verkraften, wer würde für sie sorgen, so wie ich es für sie tat?
Mein wunderbarer Hund, der eigentlich meinem Freund und mir gehört und auf meinen Freund gemeldet ist. Aber was sagt diese Meldung schon aus, wenn doch ich es bin, die tagtäglich mit ihm spielt? Ihn beschäftigt, ihn streichelt, mit ihm redet, sich um ihn sorgt und ihn füttert? Was würde mit ihm geschehen? Wie sehr würde es ihn schmerzen, wäre ich nicht mehr hier?
Doch bleibt die Frage, ob es für die Tiere nicht besser wäre, sie wären ohne mich. Denn manchmal fehlt mir die Kraft. An manchen Tagen die körperliche, an manchen die seelische Kraft, für sie zu sorgen. Ich gebe mir größte Mühe, ihnen geht es wirklich sehr gut, aber reicht das, wenn ich an manchen Tagen nicht fähig bin, zu lieben?
Meine Meerschweinchen, meine drei wunderbaren Meerschweinchen, haben niemals Käfiggitter gesehen. Sie mussten niemals ihr Leben auf winzigen Quadratmetern fristen, sind bei Wind und Wetter geschützt in ihrem eigenen Zimmer. Haben sogar einen eigenen Heizlüfter für die kalten Nächte.
Mein Hund, er hat einen eigenen, riesigen Garten. Ein eigenes, großes Waldstück, ganz für sich allein. Bekommt jeden Tag genügend Futter, Leckerchen und Streicheleinheiten.
Aber an manchen Tagen fühle ich nicht. Ich liebe sie alle, sie sind der Grund, warum ich lebe, aber es gibt Tage, an denen fühle ich nicht. An denen kann ich nicht sorgen, weil sich alles nur um mich selbst dreht.
Ich halte es hier nicht mehr aus. Alles ist kaputt und schon wieder viel zu viel. Zuviel Essen, zuviel Termine, zuviel Druck, zuviel Verletzung und Beleidigung. Viel zu viel Selbstmitleid.
Dienstag, 20. April 2010
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
Mir geht es mit meinem Magen derzeit nicht viel besser. Der reagiert sehr seltsam auf Nahrung. Ohne Nahrung knurrt er genau so, aber das macht mir nicht so viel. Mir wird dass richtig übel vom essen, aber kotzen gibt es bei mir nicht^^
AntwortenLöschenNehm wenigstens solch Vitamin & Mineral-Tabletten, das ist wichtig!
Außerdem hat dich noch nie so ein Meister des Faches wie ich bekocht ;)
Bitte Süße, mach etwas *ganz lieb anguck* Du weißt, ich würde dich mit allem unterstützen, weil du mir wirklich sehr viel bedeutest!