Sonntag, 11. April 2010

11. April 2010

Alles wie immer.

Ich werde heute mein Auto verlieren. Zumindest die Schlüssel. Für eine gewisse Zeit. Denn der `Deal` meines Freundes steht immer noch. Deal ist falsch gesagt, ich habe nicht eingewilligt. Schneiden = Autoschlüssel weg.
Aufgestanden. Küche. Schokolade. Aggressionen, falsches Frühstück. Kotzen, dann richtiges Frühstück? Kotzen, keine Kraft mehr. Aggressionen, kein richtiges Frühstück, Massenfressen. Keine Kraft mehr, es bleibt drin. Aggressionen, Panik, Angst, Schneiden an sichtbaren Stellen -> Autoschlüssel weg.

Als ich gestern über mein Essverhalten nachdachte, ist mir etwas aufgefallen. Ich weiß, dass ich seit meinem 10-ten oder 11-ten Lebensjahr Probleme mit meinem Körper habe und anfing, mich zu dick und/oder eklig zu fühlen. Und ich weiß, dass damals schon die Gedanken kamen, nicht mehr zu essen. Sich gut zu fühlen, wenn man nichts mehr essen würde. Dennoch brauchte es 10 Jahre, bis die richtige Essstörung durchbrach.
Jedenfalls kamen mir plötzlich Situationen in den Sinn, in denen ich als Kind schon ein sehr seltsames Essverhalten hatte. Nicht unbedingt in Richtung Essstörung, einfach seltsam.
Mich hat immer wahnsinnig interessiert, wie bestimmte Dinge schmecken. Seife zum Beispiel. Kreide, Parfüm, rohes Fleisch. Und ich habe es tatsächlich probiert. Auch wenn ich mit meinen Freundinnen draußen spielte. Alles habe ich probiert. Blätter, Gräser, Nüsse.
Mit dem Aufschnitt habe ich sehr oft gespielt, dass ich ein Raubtier wäre, das gerade seine Beute frisst. Ich habe immer gern Tierreportagen geguckt, in denen zum Beispiel Löwen eine Antilope rissen und sie fraßen. Faszinierte mich.
Jedenfalls nahm ich den Aufschnitt in die Hand, das war mein totes Tier, das ich gerissen hatte, und zupfte mit dem Mund immer kleine Stücke ab. Oder ich verwandelte Essen auch sehr gerne. Ich stellte mir vor, dass das Brötchen vor mir ein Stück Fleisch sei und verfuhr genauso wie mit dem Aufschnitt.
Ich liebte Tiere schon als Kind, ich weiß es nicht, weshalb es immer Fleisch sein musste.
Später kam irgendwann die Senfphase, in der es massenweise Apfel mit Senf und Schokolade mit Senf gab. Keine Ahnung, weshalb ich bei dem ganzen Gefresse als Kind so schlank geblieben bin, denn Süßigkeiten habe ich schon damals geliebt.
Weniger toll waren allerdings die Situationen, in denen es Fisch gab. Forelle, am Stück. Mit Kopf, Augen, Flossen. Es ekelte mich so sehr, doch ich musste es essen. Zuerst habe ich immer direkt die Augen aus dem Fisch gepult, weil ich es unerträglich fand, dass dieses Tier mich anschaute, während ich es essen sollte. Dann folgten Stunden, in denen ich heulend vor diesem Teller saß und nicht essen konnte. Meiner Mutter war es egal, es wurde solange sitzengeblieben, bis ich aufgegessen hatte. Auch wenn es an die 5 Stunden dauerte.
Sehr interessant finde ich, dass ich damals, wenn ich allein zu Hause war, anfing, alle möglichen Lebensmittel durcheinander zu mixen und sie zu probieren. Es waren keine Fressanfälle, eher pures Interesse daran, wie die gemixten Lebensmittel zusammen aussehen und schmecken. Genauso mit Getränken. Cola, Fanta, Brausetablette, Multivitaminsaft, alles zusammenmixen und probieren.
Weitere Rituale beim Essen waren, erst immer das Ekligste essen, damit es weg ist und das Leckerste für den Schluss aufheben. Bei Rouladen mit Klößen und Rotkohl hieß das, erst der Rotkohl, dann das Fleisch, dann die Klöße mit der Sauce.
Ich weiß auch noch, als wir einmal, als ich klein war, bei meiner Oma essen waren und mir gesagt wurde, es gäbe Hähnchenschenkel. Ich aß und wunderte mich, warum es so lecker und anders schmeckte. Wunderte mich allerdings nicht, warum alle lachten, als ich dies sagte. Dann war ich fertig und meine Mutter verkündete stolz, dass ich gerade Kaninchenkeule gegessen hätte. Wütend, heulend und absolut angeekelt verließ ich den Tisch. Eigentlich nicht meine Art, da ich eher immer schüchtern und ruhig war, aber in diesem Moment ging gar nichts mehr.

Was ich damit sagen will, weiß ich auch nicht.



11:09

Es kommt wieder. Es springt herum, wie eine junge Antilope, die nicht weiß, dass sie bald gefressen wird. Es springt von Gefühl in Taubheit. Und andersherum. Hin und her. Denn das Vergessen klappt heute nicht. Dafür habe ich heute zuviel getan, um zu leben. Zuviel gegessen. Nahrung die Gefühle nährt, die ich nicht spüren will. Ich hasse meine Mitleidsworte, aber ich glaube, ich brauche Hilfe.

3 Kommentare:

  1. Wilde Wölfe. Das sind wir. Ungezähmt, ungebrochen. Das ist in uns. Tief. Es atmet. Es lebt.

    Lass es raus.
    Lass uns daran kaputt gehen.

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  2. Hey du!

    Hab dir unter deinem letzten Kommi bei meinem vorletzten Eintrag geantwortet.
    Und verlinkt hab ich dich jezt auch. :)

    Grüßle, sternenstaub

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  3. Hallo du,

    ich hoffe, ich trete dir nicht zu nahe, falls doch, dann sag es mir bitte aber...wenn ich das lese, also das mit deinem Freund, dann frage ich mich, ob das nicht noch zusätzlich druck auf dich macht. Ich meine, wenn du dich schneidest, machst du das ja nicht "einfach nur so", dafür gibt es gründe. Vielleicht wäre es was, wenn ihr gemeinsam nach alternativen guckt, anstatt "bestrafungen" auszuhandeln?
    Ich dachte zeitweise, der text könnte echt von mir sein. Das probieren von allem, das zusammenmixen von Essen und auch das wütend werden, wenn es etwas zu essen gab, was sich dann hinterher als etwas anderes herausstellte. Ich weiß noch, wie schrecklich es für mich als kleines Kind war, wenn die Essensplanung über den Haufen geworfen wurde. Das ging gar nicht.

    Danke dir für deinen Kommentar und das Angebot mit dem reden :)
    Ganz liebe Grüße
    Wortsucherin

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