Mittwoch, 7. April 2010

07. April 2010

Es geht gerade nicht. Ich habe etwas Furchtbares getan. Normalität. Gestern. Gegessen ohne zu erbrechen. Mittagessen. Abendessen. Zwischenmahlzeit. Süßes. Alles liegt noch immer als gemischer Klumpen in mir. Allerdings gut beschützt. Mein Körper krallt sich daran fest, wie ein kleines Kind, das sein lang ersehntes Barbiehaus zu Weihnachten bekommen hat. Ekel.
Und aus den Wunden tropft nicht etwa das Fett, das sich unter der Haut gesammelt hat. Nein, nur die lebenserhaltende, rote Flüssigkeit.

13:11

Ihre Beine sind dünner als Stöckchen, eher zarte Zweigchen. Ihr ganzer Körper ist ein einziges, zartes Zweigchen. Sie lief vor mir im Supermarkt. Ihre Mutter auch. Ein fetter Leib, die Haare straff nach hinten gebunden. Während das Mädchen versuchte, sich hinter ihren offen getragenen, dünnen Haaren zu verstecken. Selten guckten die knochigen Hände aus den Ärmeln hervor. Griffen vorsichtig ein Produkt, um es näher zu betrachten. Rückseite. Kalorien- und Nährwertangaben. Sofort ein liebloser, eiskalter Kommentar ihrer Begleiterin, die das kraftlose Mädchen weiterzerrte.
Am liebsten hätte ich ihr dieses Kind aus der Hand gerissen. Sie ihr unter die Augen gehalten und sie angeschrien:
`Siehst du es nicht, du fettleibige Frau? Dein Kind verhungert, weil du ihr all das, was sie zum Leben braucht, weggefressen hast!`
Doch ich habe mich nicht getraut.

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