Montag, 5. April 2010

05. April 2010

Der erste Satz dieses Morgens ist direkt der Bulimie gewidmet. Erbärmlich. Gestern sagte ich mir tagsüber, du kannst essen. Du musst essen, dein Körper macht schlapp. Es ist die Chance, jetzt, wo du ohnehin nicht kotzen kannst.
Es begann. Normale Portion. Ein wenig mehr als wie eine normale Portion. Magenschmerzen. In Ordnung. Ritzen, weil gegessen und schlafen, bis es Zeit ist für die nächste Mahlzeit. Es begann. Normale Portion. Ein wenig mehr als wie eine normale Portion. Magenschmerzen. Weitere Portionen. Schlimmere Magenschmerzen. Solange, bis der Schmerz den Heißhunger besiegte.
Angst, Panik, Hass und die Erkenntnis, lieber verrecken, als fett werden.

Ich entferne mich immer weiter von der Realität.
Als Kind gab es schon diese Momente, in denen ich soweit weg war. Damals glaubte ich an Gott und mir war klar, ich muss etwas Besonderes für ihn sein, so besonders bzw. anders, wie ich mich immer fühle.
Als Jugendlicher gab es diese Momente, in denen ich soweit weg war. Mich absichtlich ohne Drogen oder Alkohol ganz weit weg schicken konnte, aber jedes Mal fand ich den Weg zurück in die Realität.
Als Erwachsener gibt es diese Momente, aus denen Monate, dann Jahre wurden, seit denen ich soweit weg bin. Man hat mir die Entscheidung als Selbstschutz abgenommen und mich weggeschickt. Wer auch immer.
Ich weiß nicht mehr, wie es ist, real zu empfinden. Die Dissoziation ist meine Realität geworden.

Dennoch wird mir mein Vater nachher sagen, dass ich in der Klinik ja normal Essen lernen werde und dass danach alles wieder in Ordnung ist. Meine Oma wird mir ein großes Stück Sahnetorte anbieten, denn ich gehe ja in eine Klinik. Dann kann ich doch vorher schonmal wieder normal essen, denn dort muss ich es doch ohnehin.
Sie haben nichts verstanden, als ich ihnen sagte, dass nicht die Essstörung mein Problem ist, sondern dass seit meiner Kindheit etwas ganz und gar nicht stimmt.

Ich möchte nicht mehr, aber was möchte ich? Ich weiß ja noch nichteinmal, ob ich mir ein Leben nach dem Tod wünsche, oder den Tod nach dem Tod. Schon vor Jahren hielt mich der Gedanke an ein Leben nach dem Leben am leben. Am nächsten Tag hielt mich der Gedanke am leben, dass es nach dem Tod endlich vorbei sein wird. Jetzt finde ich beide Vorstellungen furchtbar. Aber eine dritte Option gibt es nicht.


1 Kommentar:

  1. Am liebsten würde ich ja händchenhaltend neben dir sitzen, in der Hoffnung, dass es dir hilft. Ich kann mich da ganz gut hinnein versetzen, aber ich weiß leider auch nicht, was ich dir sagen könnte um dir zu helfen.
    Ich kann dir nur sagen, dass du nicht alleine damit bist. Und ich hoffe, dass dir die Klinik helfen kann :)

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