Die Weihnachtsmannschokolade erinnert mich an meine Kindheit. Wenn es mir schlecht ging, aß ich. Besonders gern die Weihnachtsmannschokolade. Als Kind war ich seltsamerweise dünn, obwohl ich schon damals Massen an Süßigkeiten vernichten konnte. Nun bin ich erwachsen, bin nicht mehr dünn (meiner Ansicht nach) und werde es auch niemals wieder werden, wenn ich weiterhin Weihnachtsmannschokolade fresse. Deshalb kotze ich die Schokolade einfach wieder aus. Die Welt kann ja so einfach sein.
Gut, man muss auch gewisse Umstände in Kauf nehmen, wenn man sich diesen einfachen Weges bedient. Aber was sind schon ausgefallene Haare, entzündetes Zahnfleisch, vernarbte Finger, Magenschmerzen, Verdauungsprobleme, ein entzündeter Hals, geschwollene Speicheldrüsen und Lymphknoten, ein aufgedunsenes Gesicht, Schwäche, Herzbeschwerden sowie Sehstörungen im Gegensatz zu dem unendlichen Glück und der unbeschreiblichen Schönheit dieses abgemagerten, kaputten, dünnen Körpers?
Es war ein kurzer Moment. Aber ich habe es abgegeben. Mein Leben. Ich lebe nicht mehr. Nicht mehr wirklich. Auch nicht mehr unwirklich. Ich glaube, ich will auch gar nicht mehr. Wenn ich etwas anfange und es funktioniert nicht oder läuft nicht nach meinem Plan, dann lasse ich es liegen und fange irgendetwas Neues an. Leider kann ich mein bisheriges Leben nicht wegschmeißen und mir einfach ein neues Leben kaufen. Deshalb schmeiße ich es weg, ohne mir ein Neues zu kaufen. Es interessiert mich nicht mehr, da ich ohnehin nicht mehr fühle. Eine seltsame und erlösende Leichtigkeit, die sich eingestellt hat, seitdem ich mein Leben abgegeben habe. Ich habe keine Angst mehr, da ich nicht mehr fühle.
Was ich noch unbedingt loswerden wollte. Es soll wie sooft nicht mitleidig klingen, aber ich glaube, man hat mich in meiner Kindheit vergessen. Zuoft vergessen. Besonders meine Mutter. Ich wollte noch mehr hierzu schreiben, aber ich habe es vergessen. Wie immer.
Und irgendwann ist man frei.

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