Traurig war der Vogel in seinem goldenen Käfig, als er hinausblickte. Artgenossen, auf ungeraden und schmutzigen Ästen sitzend, fröhlich zwitschernd.
Traurig fiel der Vogel am nächsten Morgen in seinem goldenen Käfig von seiner goldenen Sitzstange, hinein in den goldenen Vogelsand. Fröhlich flogen seine Artgenossen in Freiheit in Richtung der aufgehenden, goldenen Sonne.
Materielle Werte können ehrliche Wärme, Liebe und Zuwendung nicht ersetzen. Niemals.
Sein Blick ist vom Vorübergehen der Stäbe
so müd geworden, dass er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.
Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.
Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf.
-Dann geht ein Bild hinein,
geht durch die Glieder angespannte Stille-
und hört im Herzen auf zu sein.
Rainer Maria Rilke 06.11.1902, Paris

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