Aufwachen. Durch das halbgeschlossene Rollo und die nicht ganz fest verschlossene Terrassentüre höre ich sie. Die Vögel draußen. Es gibt keinen schöneren Wecker, keinen schöneren Klingelton und auch keinen schöneren Radiosender, als die Vögel in den Frühlings- und Sommermonaten, um wach zu werden.
Erinnern. Direkt, was wurde geträumt. Diese Nacht ein guter Traum. Mein Hund, er hat mich beschützt. Meine beste Freundin kam auch vor. Guter Traum, gut aufgewacht. Selten, aber schön.
Aufstehen. Leichte bis mittelmässige Kopfschmerzen. Kein Schwindel. Leichte Schmerzen in den Zehen, als sie das kalte Parkett berühren und versuchen, die Masse meines Körpers und die Trauer, die Angst, den Hass in meiner Seele zu tragen. Laufen geht aber. Extreme Müdigkeit.
Erinnern. Gestern getroffen. Mit meiner besten Freundin. Mein Freund kam auch mit. Damit habe ich Probleme. Mit zwei Bezugspersonen, normal gibt es eine Person in meinem Leben, für die ich alles tue. Daneben exisitiert niemand. Daneben kann niemand existieren. Seit ein paar Monaten sind es zwei. Meine beste Freundin, die mich schon mein Leben lang begleitet, bis wir uns vor fast 11 Jahren aus den Augen verloren. Weil ich eine neue Bezugsperson fand. Nicht mein Freund. Eine andere, die es auch schon lange nicht mehr gibt. Aber nicht wegen meinem Freund. Wegen einer anderen Bezugsperson, die es auch schon lange nicht mehr gibt. Wegen meinem Freund.
Dennoch, es war schön gestern. Mein Freund gibt mir Kraft und beschützt mich vor der schreienden und kreischenden Masse um mich herum, die mir erscheint, als würde sie ein Schauspiel spielen. Nur für mich. Alles soweit weg, alle so anders.
Meine beste Freundin gibt mir Kraft und beschützt mich vor dem Schreien und Kreischen in mir selbst.
In Aktion treten. Der erste Gang ins Bad. Weiches Fell, das mir mit Schnurren um die nackten, geschwollenen Füße streicht. Wunderschön. Ein kurzer Blick nach draußen. Bewölkt, leicht nieselig, aber warm. Wunderschön. Schöneres Wetter gibt es für mich nicht.
Leichte Verwirrung breitet sich in meinem Kopf aufgrund des kleinen Glücksschubs in meinem Herzen aus.
Der zweite Gang in die Küche. Leckerchen holen.
Der dritte Gang in das Wohnzimmer. Leckerchen an meinen Hund verfüttern, der wie jeden Morgen fast einen Herzinfarkt vor Freude bekommt, weil ich endlich aufgestanden bin.
Auch mein Hund, er ist wunderschön. Aber das ist er immer, egal wie es mir geht.
Der vierte Gang. In die Küche, Laptopplatz präparieren. Decke zurechtlegen, Fenster kippen, damit ich dem Vogelgesang lauschen kann, Colalight aus dem Kühlschrank holen, Glas aus dem Schrank und ab vor den Laptop.
Taschenmesser liegt rechts von ihm. Klinge mit Zewa unter ihm.
Erinnern. Geht nicht. Die Gedanken beginnen anzulaufen. Pures Chaos, Gedanken machen sich selbstständig. Laune sinkt, schaltet sich irgendwann ab. Aber wenigstens, auch wenn ich sie nicht mehr fühle, ich sehe sie. Die Amseln, Spatzen und all die anderen dort draußen mit ihrem fröhlichen Gesang. Wenigstens sehe ich sie. Die, die es auch über das Aufstehen hinaus in den Tag geschafft haben.
Durchlesen. Was ich heute geschrieben habe. Es klingt so unsäglich mitleidig, so wie es nicht klingen soll. Selbsthass, mit jedem weiteren Wort, dass über meine Finger, die Tastatur und der Elektronik meines Laptops in den Kasten wandert, in den ich meine Einträge schreibe.
Ich möchte einfach nur meine Gedanken loswerden.
Samstag, 20. März 2010
Abonnieren
Kommentare zum Post (Atom)
es klingt nicht mitleidig. ich kenne das, mir gehts oft auch so, dass ich denke, alles, was ich schreibe, trieft nur so vor selbstmitleid, und wenn jemand das gegenteil behauptet, dann kann ich das schwer glauben... aber: was du schreibst, klingt nicht danach. auch wenn es dir so vorkommt. und gedanken loswerden ist gut und gelegentlich hilfreich. (dewegen schreib ich ja doch, auch wenn ich vor selbstmitleid triefe, irgendwo muss es ja hin.)
AntwortenLöschenliebe grüße!
Hallo Rosenrot,
AntwortenLöschenfür mich klingt dein Text nicht selbstmitleidig, viel mehr ist es eine Beschreibung deines Tagesbeginns.
Hab ich das richtig verstanden, du hast einen Hund und eine Katze? Ich habe zwei Katzen und bin überglücklich sie zu haben. Tiere geben mir unglaublich viel kraft.
Ich wünsche dir eine gute nacht mit erträglichen Träumen.
Ganz, ganz liebe Grüße
Wortsucherin