Freitag, 19. März 2010

19. März 2010

Du zählst nicht. Du, auch wenn du nicht weißt, wer du bist. Du zählst nicht. Deine Gefühle nicht. Deine Entscheidungen nicht. Dein Körper nicht. Nichts von dir. Nicht deine Realität. Nicht deine Traumwelt. Nichts. Auch das, was für dich nicht existiert. Das, was für dich existiert. Du zählst nicht.

Du zählst zuviel. Zuviele Zahlen. Kalorien. Minuten. Stunden. Du zählst zuviel. Vielleicht gehörte Mathe auch deshalb zu deinen Lieblingsfächern. Du zählst gerne. Meistens. Du zählst und zählst und zählst. Worte, Gedanken. Alles wird gezählt. Um es auszugleichen. Dass du nichts zählst.

Es ist das, was dir zusteht. Diese Art des Zählens. Das andere Zählen, das ist für Menschen mit guter Persönlichkeit. Für Menschen, die nicht Verwerfliches in ihrer Vergangenheit getan haben. Menschen, die den Tod brachten, haben ihn selbst nicht verdient. Sie haben es verdient zu zählen. Ihr Leben lang.

Der nächste Abschnitt handelt über Selbstverletzung. Wer sich aufgrund dieses Inhaltes gestört oder getriggert fühlen könnte, sollte ihm am Besten nicht lesen.



Gestern klingelte es an meiner Tür. Ich öffnete hilfsbereit, wie ich nun einmal bin. Man lässt niemand einfach so in der Kälte stehen. Es ging schnell. Sie war nur einen kleinen Spalt geöffnet, schon wurde sie brutal von außen aufgerissen. Die Kälte, die mir unvermittelt entgegenstieß, ließ mich äußerlich erstarren. Innerlich brodelte es. Als Ausgleich, um nicht ganz zu erfrieren. Denn den Tod habe ich nicht verdient. Das hatten wir ja schon.
Mit kreischendem Motor kam er herein. Der Rasenmäher. Er überlegte nicht lang und wusste genau, wo er mähen musste. Wo sich die Angst, die Sorge, der Hass tummelten. Zumindest ihre Geschwister. An die wirklichen Eltern dieser Gefühle konnte er nicht heran. Das wusste er. Aber immerhin die Geschwister vernichten, immerhin. Damit man sich nicht selbst vernichtet. Denn das habe ich nicht verdient.
Ich glaube nämlich nicht daran, dass es wirklich so einfach ist. Schreckliches geschehen lassen, Buße tun, beten und es wird vergeben. Um in den Himmel zu kommen, im Höllenfeuer gereinigt werden. Ich glaube nicht an einen Himmel, eine Hölle oder einen Gott.
Ich spüre, dass da etwas sein muss, auch wenn ich mir sooft wünsche, dass da nichts wäre. Denn ich habe Angst davor, dass es weitergehen könnte. Dass ich mein Leben aussitze, um die Strafe für die Vergangenheit zu erhalten, sterbe und es hört nicht auf.

Andererseits, vielleicht wäre es richtig. Wenn es weitergeht. Denn dann würde mir eine Chance gegeben. Mich zu entschuldigen und um Verzeihung zu bitten, so anmaßend es auch klingen mag. Um Verzeihung zu bitten, für all das, was ich ihnen angetan habe. Denjenigen, die nun dort oben sitzen und befreit sind von ihrem unbeschreiblichen Leid. Diejenigen, die für mich nicht gezählt haben, obwohl sie alles für mich sind.

Und vielleicht auch, um die anderen wiederzusehen, die ich so schmerzlich vermisse. Diejenigen, die mich liebten. Vielleicht auch, weil sie es einfach nicht wussten, was davor geschehen war. Es tut mir so unendlich Leid.

1 Kommentar:

  1. Hallo Rosenrot,

    ich kann nicht viel sagen, nur, dass ich an dich denke, ganz fest.

    Liebe grüße
    Wortsucherin

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