Donnerstag, 16. September 2010

16.09.2010

Wenn ich doch eh kotzen gehe, kann ich den letzten Rest ja auch noch fressen.


Alles raus. Alles gut. Wenn du meinst.

04:15

`Ich denke, es wird besser sein, wenn ich meine Meerschweinchen vorher abgebe. Die sind schon so alt, ich möchte denen diesen Streß nicht mehr antun und ich weiß, dass sie in gute Hände kommen. Ich werde sie in eine Notstation bringen. Dort kommen sie in die Seniorengruppe und gehen nicht mehr in die Vermittlung.`
`Ist die Notstation hier in Ort X?`
`Nein, in Ort Y. Dort habe ich zwei von den Dreien ja auch her.`
`Ort Y. Das ist doch ein Vorort von Ort Z, oder?`
`Nee, Ort Y. ist ein eigenständiger Ort, kein Vorort.`
`In Ort Y war ich doch auch schonmal!`
`Wann warst du denn schonmal in Ort Y?`
`Ja damals, als wir auch in Ort XYZ waren!`
`Ich denke, dass es besser für die Tiere ist, wenn ich sie dorthin bringe, auch, wenn es mir das Herz bricht.`
`Ja, aber nochmal zu Ort Y. Das war doch Ort Y, oder? Das ist doch wohl ein Vorort von Z!`
`Das erinnert mich an Ort ZXY, da hatten wir mal Urlaub gemacht, weißt du noch?`
`Was ich mit dem Hund machen werde, weiß ich auch noch nicht.`
`Ja. Haben wir eigentlich noch Kaffee da?`
 ´Ja, ich hab` eben neuen gekocht.`
`Dann bring` dem H. doch bitte noch eine Tasse. Willst du ein bisschen Obstsalat haben?`
`Nein, danke. Ich habe schon gegessen.`
`Ja natürlich. Wo hast du denn schon was gegessen? Und vor allen Dingen, was hast du schon gegessen?`
`Eine Portion ErbsenMöhren-Gemüse mit Sauce, Spiegelei und Salat.` (ungelogen)
`Die Portion möchte ich ja mal sehen, die du gegessen hast.`
`Wenn ich aus der Klinik zurück bin, wird das schon klappen.`
`Ja, so langsam wird es nach 4 Jahren ja auch wieder Zeit, dass du mal wieder mit uns Mittags auswärts Essen gehen kannst. Ach, aber ich esse in letzter Zeit Abends auch immer soviel Süßigkeiten. Ich hab` schon wieder soviel zugenommen, da muss ich auch mal wieder was tun.`

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`Ich wollte nur mal hören, wie es dir so geht.`

`Geht so. Ich warte halt darauf, dass ich in die Klinik gehen kann.`

`Und wie ist es mit dem Arbeiten?`

`Ja, derzeit schlecht. Es geht derzeit nicht. Ich muss nun erstmal den Klinikaufenthalt abwarten und danach schauen, wie es weitergeht.`

`Ich habe meinen Job auch nicht mehr. Ich denke mal, dass ich in meinem Alter auch keinen Job mehr finden werde. Umso wichtiger ist es deshalb, dass du jetzt schnell wieder in Arbeit kommst, damit wenigstens einer von uns einen Job hat.`

(Ich habe seit Jahren nur sporadischen Kontakt zu meiner Mutter und wohne dort schon lange nicht mehr. Auch ist sie nicht finanziell von mir abhängig.)

Sinn?
Äußeres Ansehen? Die Tochter, die in der Klinik gelandet und arbeitslos ist, passt nicht ins Bild? Genausowenig wie die Enkeltochter, die nicht isst?

Hiermit entschuldige ich mich offiziell, dass ich das Abitur nicht mit 1,0 abgeschlossen habe, kein abgeschlossenes Studium der Tiermedizin und schon gar keine eigene Tierarztpraxis aufweisen kann. Leider noch nichteinmal eine Anstellung bei der Sparkasse oder dem Finanzamt. Desweiteren entschuldige ich mich, dass ich nicht mehr vernünftig essen kann. Weder alleine, noch in Gesellschaft. 
Es tut mir Leid, dass ich mich um meine Tiere sorge, dass mir meine Tiere so sehr am Herzen liegen.
Es tut mir Leid, dass ich mir Tag für Tag die Arme aufschneide, weil es mir Sicherheit im Leben gibt. Weil es meine verdiente Strafe ist.
Es tut mir Leid, dass ich Depressionen entwickelt habe. Depressionen, Zwänge und Ängste. Das war niemals meine Absicht, es passierte einfach. Aber ich akzeptiere es, es ist meine Strafe. Und ich versuche, sogut es geht, alles mit einem Lächeln zu überspielen.
Es tut mir Leid, dass ich phasenweise dem Alkohol verfalle. Aber dir Papa hat es damals auch geholfen. Und all das, was ihr tut, kann doch nicht so falsch sein, oder?
Es tut mir Leid, dass ich aus der Realität gefallen bin. Das wollte ich nicht, das war niemals meine Absicht. Es passierte einfach, irgendwann war ich ganz weit weg und fand nicht mehr zurück. Aber ich akzeptiere es, es ist meine Strafe. Und ich versuche, sogut es geht, alles mit einem Lächeln zu überspielen.

(Strafe für Etwas, was ich Grausiges als Kind tat. Etwas, was ihr euch nicht vorstellen könnt. Etwas, was ich euch niemals sagen werde, weil ich euch ansonsten auch noch eure Hoffnung darauf nehmen würde, dass ich irgendwann wieder das glückliche, kleine Kind von früher werde. 
Strafe für etwas, für das ich mich abgrundtief hasse.)

Es tut mir Leid, dass ich so ein selbstsüchtiges, egoistisches, selbstbemitleidendes Miststück geworden bin.
Es tut mir aufrichtig Leid.





 

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